Rückblick Creawochen

In den letzten beiden Ferienwochen lud das Creative Zentrum „Haus am Anger“ zu einem großen Ferienangebot ein. Unter dem Namen Creawoche I und Creawoche II fand vom 25. August bis 5. September 2025 ein umfängliche Ferienprogramm statt. Ähnlich der Kinderstadt wie aus Sommerferien 2024 wurde ein vielfältiges Programm für insgesamt 80 Kinder geboten.

Leitgedanken zur Creawoche: Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit

Die Creawoche bietet Kindern Raum, sich zu entfalten.

Ziel ist es, die Achtsamkeit der Kinder für ihr Umfeld, also die Menschen um sie herum und für ihre Umwelt zu stärken. Wir möchten die Kinder zur Selbstbestimmung ermutigen.

Wir sind Künstler:innen, Student:innen und Handwerkende, die Kinder dafür begeistern wollen, sich selbst und ihre Umwelt zu entdecken. Wir geben Denkanstöße und vermitteln handwerkliche und künstlerische Werkzeuge. Wir wollen die Kinder dazu ermutigen, sich bewusst mit ihrer Umwelt und Mitmenschen auseinander zu setzen. Dazu wollen wir demokratische Prozesse und Werte zu vermitteln.

Der achtsame Umgang von uns selbst mit den Kindern steht für uns im Vordergrund und ist in der Creawoche wichtiger als der künstlerische Prozess. Kein Kind ist per se anstrengend oder unmöglich, sondern wird in seiner Kommunikationsform ernst genommen. Da wir die Kinder 5 Tage lang begleiten können, ist eine intensiverer Auseinandersetzung mit ihnen möglich.  Unsere Kommunikation ist unterstützend und wertschätzend. Wir haben eine Vorbildfunktion und unsere Haltung überträgt sich auf die Haltung der Kinder. Deshalb vermeiden wir beispielsweise auch passive Aggression wie überzogene Ironie oder Sarkasmus sondern bleiben immer freundlich und zugewandt.

Die Teilnehmenden

Jede Woche kamen täglich von Montag bis Freitag knapp 40 Kinder als angemeldete, geschlossene Gruppe zu uns. Das Alter betrug 6 – 14 Jahre. Die meisten Kinder waren zwischen 8 und 11 Jahren, was der 3. – 5. Klasse entspricht. Das Geschlechterverhältnis war sehr ausgewogen. Die Kernanwesenheit der Kinder war von 9 bis maximal 14 Uhr.

Die Creawochen waren bereits 2 Wochen nach Veröffentlichung des Angebotes ausgebucht. Dies zeigt einen deutlichen Bedarf an Ferien- und Freizeitangeboten, welche bei uns im Creativen Zentrum oft nach wenigen Tagen der Veröffentlichung ausgebucht sind.

Ablauf der Creawoche

Sharingrunde

Jeder Tag wurde mit einer gemeinsamen Begrüßungsrunde begonnen. Das alte Indianische Lied “Wishi ta duja”, begleitet von einer Trommel wurde zur kleinen Auftakthymne eines jeden Morgens und konnte bereits nach zwei Tagen von allen mitgesungen werden. Die kreativen Angebote des Tages wurden vorgestellt. Diese wechselten täglich. Ab Tag 2 folgte zusätzlich eine Austauschrunde (Redekreis) zu relevanten Themen, welche sich aus den Konflikten innerhalb der Gruppe ergaben und die Gruppendynamik bestimmten.

  • Woran erkenne ich echte Freunde?
  • Wie entsteht Streit und wie kann ich ihn verhindern?
  • Wohin mit schlechten Emotionen?
  • Warum verstehen sich Mädchen und Jungen meistens nicht so gut?
  • Wie entstehen Krieg und Frieden?

Die Sharingrunden ab Tag zwei der jeweiligen Woche waren für den sozialen Austausch innerhalb der Gruppe besonders wichtig und werden auch im nächsten Jahr beibehalten. Hier konnten alle Kinder in einem geschützten Raum ihre Gedanken äußern. Diese Möglichkeit des Austausches findet im Alltag laut der Kinder selten bis gar nicht statt. Es war deutlich zu bemerken, wie sich das Verhalten von Kindern, die im Vorfeld als „schwierig“ einzuordnen wären, in Bezug auf die Gruppe zum positiven veränderte. Es konnte innerhalb dieser Runden Verständnis für einzelnen Menschen mit seinen Bedürfnissen und der Gruppe als Ganzes entwickelt werden. So nahmen sich nach einigen Tagen beispielsweise Kinder, die Anfangs die Gruppe „störten“, deutlich zurück, da sie mehr Akzeptanz erfuhren. (Für diesen Prozess muss noch ergänzt werden, dass es auf Grund des guten Betreuungsschlüssels möglich ist, auf einzelne Personen individuell einzugehen.)

Kreative Angebote

Die kreativen Angebote wurden durch das Team entwickelt und geleitet. Es gab täglich 5 Angebote, für welche die Kinder sich täglich neu entscheiden konnten.

  • Redaktionsbüro: Es entstand in jeder Woche eine Zeitung mit Artikeln und Fotos innerhalb der Creawoche
  • Floristik: Sammeln von Pflanzen und erstellen von Gestecken, Kränzen, Sträußen etc.
  • Nähwerkstatt: für Anfängerinnen Grundlagen im Nähen und Nähprojekte für Fortgeschrittene
  • Kreativwerkstatt: täglich neue künstlerische Projekte aus Upcycling-Materialien
  • Kochkurs: täglich kochte eine Gruppe von Kindern unter Anleitung für den Mittagstisch eine Hauptspeise und ein Dessert
  • Gemeinsames Kunstwerk: Im Rahmen einer Woche entstand jeweils ein großes Gemeinschaftskunstwerk. Wurde auf fahrbaren Europaletten montiert, damit es mobil ist.

Das Konzept der täglichen freien Wahl spricht sowohl Kinder an, welche Abwechslung brauchen sowie auch die Kinder, welche täglich den gleichen Kurs wählen möchten.

Kinder-Tausche-Tag

Am Freitag, dem jeweils letzten Tag der Creawoche, war das Angebot als Abschlussevent abgewandelt. Statt den kreativen Angeboten fand der Kinder-Tausche-Tag für alle Kinder gemeinsam statt. Dies war ein von uns entwickeltes Experiment zum Thema Sharing und Konsum. Kinder konnten am letzten Tag Spielzeug und Bücher mitbringen, die sich sie nicht mehr benötigen und diese mit Hilfe von ein paar einfachen Spielregeln tauschen. Parallel wurde Kinderschminken angeboten.

Gemeinsames Mittagessen und Open Mic

Das gemeinsame Mittagessen diente wieder zur Kommunikation der gesamten Gruppe.

Eine Waschstraße für den gemeinsamen Abwasch wurde eingerichtet. Der gemeinsame Prozess, welcher zum Mittagessen gehört stellte uns überraschender Weise vor einige Herausforderungen. (Platz finden und warten, Reihenfolge für das Anstehen bestimmen, Warten mit dem Nachholen etc.)

Das anschließende Open Mic (offene Bühne mit Mikrofon) im direkten Übergang nach dem Mittagstisch diente als Austauschplattform von Kindern für Kinder. Diese wurde je nach Gruppendynamik rege genutzt. Vor allem in der Creawoche I ist der Witzemarathon hervorzuheben. Viele Kinder standen zum ersten Mal an einem Mikrofon und/oder überwanden sich, zu einer großen Gruppe zu sprechen. Zusätzlich wurden weitere organisatorische Informationen geteilt.

Auch dieses Format wollen wir in den nächsten Angeboten beibehalten.

Personelle und finanzielle Unterstützung

Personell wurden die Mitarbeitenden des Creativen Zentrum wie folgt unterstützt:

  • Babette Schilling (Kinderbeauftragte der Stadt Falkensee)
  • Stefan Settels vom PfD
  • den KünstlerInnen Julia Hejl und Andrea Hein
  • der Kinderpädagogin Marieke Arnhölter
  • und den Schüler:innen: Lisa Luckenbach, Erik Witt, Emil Witt

Finanziell wurden die Creawochen durch den PfD der Stadt Falkensee mit einer Förderung von 3500 Euro unterstützt. Mit Hilfe dieses Budget konnte ein Teil der Honorarkräfte bezahlt werden. Der Förderverein des Creativen Zentrums unterstütze die Creawochen mit 600 Euro, welche ebenfalls als Honorar genutzt werden konnte. Der restliche Betrag wurde von der Stadt Falkensee übernommen. Insgesamt wurden für die beiden Wochen 7500 Euro ausgegeben.

Vergleich zur Kinder-Stadt Mini-Falkensee in 2024

Einige Kinder hatten bereits in der Kinder-Stadt Mini-Falkensee im Vorjahr teilgenommen. Im Vergleich fanden sie das diesjährige Format entspannter. Gern hätten sie die Spielwährung wieder mit dabeigehabt. Die Zeitungsredaktion wurden von den Kindern der Creawochen selbst ins Leben gerufen. Wir hatten sie ursprünglich nicht vorgesehen.

Für unser Team waren die Creawochen ebenfalls entspannter als die Kinder-Stadt. Die Gruppen waren kleiner (40 Teilnehmende statt 50), die Zeit bis maximal 14 Uhr reduziert und einige Ebenen fielen weg: Wahl und Durchführung des Stadtrates, die dadurch resultierenden Versammlungen, eigene Spielwährung, Spielbank etc.

Die Kinder-Stadt Mini-Falkensee ist umsetzbar ab einer Teilnehmerzahl von 50 Kindern aufwärts. So lange im Gebäude der Kunstschule die Zahl der Menschen auf 50 Personen beschränkt wird, muss für die Kinder-Stadt ein anderer Ort gefunden werden oder auf das reduzierte Konzept der Creawoche zurückgegriffen werden.

Fazit

Die Creawochen sind unser betreuungs- und dafür auch erlebnisintensivstes Format. Unser Team bestand aus 10 Menschen. Durch den guten Betreuungsschlüssel und durch die Teilnahme der Kinder an 5 Tagen hintereinander konnten wir auch in diesem Jahr gut auf die teilnehmenden Kinder eingehen.

Das Konzept und die Angebote wurden durchweg sehr gut angenommen.

Die Creawochen wollen wir in 2026 wiederholen. Der Ablauf hat sich bewährt. Ein paar Stellschrauben wie beim Mittagessen können optimiert werden.

Fotos und Links

Der alte amerikanische Song der Chirokee-Idianer “Wishi ta duja” läutete täglich Morgenkreis ein. Unsere Kollegin Dhanya gab mit ihrer Trommel den Rhytmus an: https://www.youtube.com/watch?v=v4Mp5SAnMgY&list=RDv4Mp5SAnMgY&start_radio=1

In der ersten Woche gab es täglich eine Floristik-Werskstatt. Dazu wurden in der Natur Pflanzen gesammelt und zu Sträußen und Gestecken verarbeitet. Schwerpunkt beim Sammeln der Pflanzen war das Durchstreifen der Brachflächen rund um das Haus am Anger. Neben den Pflanzen, die zurück im Haus namentlich bestimmt wurden, entdeckten die Abenteurer auch große Spinnennester, seltene Käferarten und Ringelnattern. Natürlich wurde auch der herumliegende Müll hitzig diskutiert “Wie kommt der Müll dorthin?” “Warum wirft ihn keiner weg?” usw.

Eine kurze Beratung unter drei Kindern: Wie kann es mit dem Gemeinschaftskunstwerk weitergehen? Soll das kleine Rennauto auf dem Vulkan angebracht werden? Hält der Kleber das Auto fest am Schaumstoff? Oder ist Lenard das Auto doch zu schade, um es dort zu lassen?

So sieht es aus: Das Gemeinschaftskunstwerk der Kinder aus der ersten Creawoche war ein Upcyclingprojekt. Sie gestalteten eine Landschaft, die nur aus Müll bestand.

Hubba-Bubba-Packung und Blechdosendeckel. Mit etwas Pappe und roter Farbe entstand dieser Fantasievogel.

Im Hintergrund: Wolken aus Mülltüten, ein Mond aus einem alten Pappteller.

Eine Vulkanlandschaft aus Schaumstoff, Styropor und Plastikresten.

Steile Berge aus alten Plastikbechern, mit Papier überzogen und einer Bergziege dekoriert.

Das Gemeinschaftskunstwerk wurde von unserer Kollegin Julia Hejl inspiriert. Die Kinder nahmen das Thema “Kleidungsmüll” gern auf und gestalteten einen Wunschbaum aus Kleidungs- und Stoffresten.

An den Wunschbaum hängten die Künstler:innen Stoffstreifen, auf denen Wünsche für die Erhaltung der Umwelt geschrieben wurden.

Das Müllmännchen stellte den Bezug zur letzten Resteverarbeitung der Stoffstücke her.

Die Künstler:innen hatte sichlich Freude an der farblichen Vielfalt und mit viel Sorgfalt Stoffreste aneinander geknüpft.

Die Nähwerkstatt erfreut sich überraschenderweise nicht nur an regnerischen Tagen großer Beliebtheit. Anders als im Vorjahr entschieden wir Organisatoren uns dazu, die Kinder mit der Hand statt der Nähmaschine nähen zu lassen. Der langsame und fast meditative Vorgang des Nähens mit der Hand holte viele Kinder von ihrem Leistungsmodus runter.

Auch ohne Nähmaschine, dafür mit etwas mehr Geduld entstanden Kissen, kleine Täschchen und Kucheltiere wie dieser blaue Hund.

Ein eigenes Magazin für die Creawoche war von uns Organisatoren nicht vorgesehen. Die Kinder, welche im letzten Jahr zur Kinder-Stadt Mini-Falkensee dabei waren, bestanden jedoch auf ihre eigene Zeitung. Flugs wurde ein Redaktionsbüro eingerichtet. Stefan Settels und Luca Lehnert begleiteten die Kinder der Redaktion und berieten sie hinsichtlich Personenrecht oder Umgang mit Menschen im Interview etc. In jeder Woche entstand jeweils ein mehrseitiges Journal. Dank eingehaltenem Redaktionsschluss konnte am jeweils letzten Tag die Zeitung an alle Kinder verteilt werden.

Das gemeinsam Mittagessen war der Abschluss jeden Tages in der Creawoche. Die Kinder kochten unter Anleitung zweier Jugendlicher einen Hauptgang und eine Nachspeise. Auch die Essensausgabe – bei schönem Wetter draußen auf dem Hof – war Aufgabe der kleinen Köche. Hier verteilen die Schwestern Leni und Lotta den selbstgemachten Brei mit Zucker-Zimt und Apfelmus.

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