Kunstprojekt “Form im Raum”

Workshop & Vernissage im Creativen Zentrum โ€žHaus am Angerโ€œ

Wie entsteht eine Form, die nichts darstellt โ€“ und dennoch wirkt?
Mit dieser Frage haben sich 14 Schรผler:innen der 8. Klasse der Oberschule Falkensee im Poetenweg in einem dreitรคgigen Workshop im Creativen Zentrum โ€žHaus am Angerโ€œ intensiv auseinandergesetzt.

Alexa Beier, Kunstlehrerin der Oberschule, lud wie jedes Jahr Schรผler:innen zu einem mehrtรคtigen Kunstprojekt ein. Stefanie Witt aus dem Creativen Zentrum “Haus am Anger” leitete das Projekt an und begleitete zusammen mit Alexa Beier die Schรผler:innen durch den Prozess.

Ausgangspunkt war die Arbeit des Bildhauers Hans Arp, der die Skulptur im 20. Jahrhundert grundlegend verรคnderte. Wรคhrend klassische Bildhauerei hรคufig Figuren oder Gegenstรคnde zeigte, entwickelte Arp eine vรถllig andere Formensprache: Seine Plastiken haben keine Vorderseite, erzรคhlen keine Geschichte und stellen nichts Konkretes dar. Stattdessen wirken sie durch Ruhe, Geschlossenheit und ihre Prรคsenz im Raum. Form wurde bei ihm nicht mehr Abbild, sondern Eigenwert.


Der Workshop โ€“ Arbeiten ohne Vorlage

Diese Haltung bildete die Grundlage fรผr den Workshop. Die Schรผler:innen arbeiteten bewusst ohne Vorzeichnungen. Es gab keinen fertigen Plan, keine Skizze, keine โ€žIdee im Kopfโ€œ, die umgesetzt werden sollte. Stattdessen entstand die Form direkt im Prozess.

Zu Beginn entwickelten die Schรผler:innen aus Aluminiumdraht erste raumgreifende Grundformen. Diese wurden teils mit Papier, Holz und Polyamid (Feinstrumpfhosen) verdichtet und anschlieรŸend mit Gipsbinden stabilisiert. Bereits hier zeigte sich eine zentrale Herausforderung: die Abkehr vom Gegenstรคndlichen. Viele waren es gewohnt, Dinge darzustellen โ€“ hier ging es darum, genau das nicht zu tun.

Im nรคchsten Schritt erhielten die Plastiken eine geschlossene Gipsschicht. Die kรผnstlerische Arbeit: das Reduzieren, Glรคtten und Entscheiden. Unebenheiten wurden bewusst entfernt, รœbergรคnge beruhigt und die Form zunehmend geklรคrt. Dabei wurde deutlich, dass weniger oft mehr ist.

Der Umgang mit den Materialien stellte eine weitere Herausforderung dar. Draht, Papier und Gips reagieren unmittelbar und lassen sich nicht vollstรคndig kontrollieren. Die Schรผler:innen mussten lernen, auf das zu reagieren, was im Arbeitsprozess entsteht, und Entscheidungen situativ zu treffen. Es war oft nicht leicht auszuhalten, wenn eine Figur aus statischen Grรผnden brach oder sich die Form anders entwickelte als zuvor รผberlegt.

Loslassen und weitermachen war fรผr manch Teilnehmenden eine kleine Feuerprobe. Anfangs sehr motivierte Schรผler:innen wurden im Prozess unmotivierter, kamen sogar in einen kleinen Widerstand zur Vollendung des Werkes (hielten aber durch!). Unmotiviertere Schรผler:innen gewannen im Prozess mehr Schaffensfreude. Alle Gefรผhlsregungen waren vorhanden und jede hatte ihre Berechtigung, denn schlieรŸlich ist die kรผnstlerische Arbeit eine innere Auseinandersetzung fรผr den Kรผnstler selbst. Die Hochs und Tiefs gehรถren zum Prozess dazu. Das war wie zu erwarten ungewohnt fรผr die Schรผler:innen.

Als Regulativ halfen motovierende Gesprรคche in der Gruppe. So war es oft mรถglich, eine neue Perspektive รผber das eigene Werk einzunehmen, es im IST-Zustand anzunehmen und weiter daran zu arbeiten.

Zum Schluss waren einige wenige nach der unmittelbaren Fertigstellung mit ihrem Werk noch nicht zufrieden. Zu weit ragte das ursprรผngliche, innere Bild und das entstandene Kunstwerk auseinander. Ich gehe davon aus, dass sich die negative Sichtweise nach ein paar Wochen zur Vernissage verรคndert hat. Das Loslassen alter Vorstellungen und das Identifizieren mit dem eigenen Werk fรคllt nach etwas Zeit leichter.


Form finden statt etwas darstellen

Im Zentrum stand nicht die Frage โ€žWas wird es?โ€œ, sondern โ€žWie wirkt die Form?โ€œ.
Die entstandenen Plastiken sind abstrakt, organisch und von allen Seiten erfahrbar. Sie laden dazu ein, sich im Raum zu bewegen, die Perspektive zu wechseln und die Wirkung der Form kรถrperlich wahrzunehmen.

Der Workshop machte deutlich, dass kรผnstlerisches Arbeiten nicht immer auf ein Ergebnis hin geplant wird, sondern oft ein Prozess des Suchens, Verwerfens und Neuentscheidens ist. Genau darin lag fรผr viele Schรผler:innen eine neue und hoffentlich wertvolle Erfahrung.


Die Vernissage โ€“ Arbeiten im Raum erleben

Den Abschluss bildete die Vernissage am 20. Mรคrz 2026 im Creativen Zentrum โ€žHaus am Angerโ€œ. Die Plastiken wurden auf Stelen frei im Raum prรคsentiert, sodass sie von allen Seiten betrachtet werden konnten.

Die Besucher:innen waren eingeladen, sich langsam durch den Raum zu bewegen, die Arbeiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben und sich auf die Wirkung der Formen einzulassen โ€“ ohne sie deuten zu mรผssen.

Eine Playlist minimalistischer Musik, ein Snackbuffet und interaktive Aufgaben zur Ausstellung komplementierten die Vernissage.

Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie intensiv sich die Schรผler:innen auf diesen ungewohnten Gestaltungsprozess eingelassen haben. Entstanden sind Arbeiten, die durch ihre Ruhe, Klarheit und Eigenstรคndigkeit รผberzeugen.


Fazit

Das Projekt hat gezeigt, wie herausfordernd und zugleich bereichernd es sein kann, gewohnte Wege zu verlassen.
Die Schรผler:innen haben nicht nur neue Materialien kennengelernt, sondern vor allem eine andere Art des Denkens und Gestaltens erprobt: offen, prozessorientiert und reduziert.

Oder, in einem Satz zusammengefasst:
Nicht das, was dargestellt wird, macht eine Arbeit stark โ€“ sondern die Klarheit der Form.

Mit dabei waren:

Jaden Abram, Klasse 8b
Titel: Bistard
Diese Form wirkt fรผr mich wie Ruhe.
Mir war wichtig, dass die Form stehen kann.

Jack-Jason Mรผller, Klasse 8b
Titel: Arbeitszeitbetrug
Wichtig war mich, dass die Form eine Besondere ist.

Leon Gensch, Klasse 8b
Titel: Illusio
Diese Form wirkt auf mich wie angetipptes Herz.

Lysander Haager, Klasse 8b
Titel: Natรผrlich Ruhe
Diese Form wirkt fรผr mich ruhig und geschmeidig.

Ilai Dube, Klasse 8b
Titel: Unstabil
Diese Form wirkt fรผr mich wackelig und unstabil.

Leni Richter, Klasse 8b
Titel: Je nโ€™aime pas
Diese Form wirkt auf mich wie ein verformter Donut.

Fernando Barbier, Klasse 8b
Titel: Kรถffel
Diese Form wirkt fรผr mich wie eine leichte Aggression aber auch Ruhe.

Alexander Herzog, Klasse 8b
Titel: Log-In
Diese Form wirkt auf mich traurig.

Frejya-Thordis Klaas, Klasse 8b
Titel: Selbstumarmung
Wichtig war mir, dass die Form auรŸergewรถhnlich ist.

Jolina Petkow, Klasse 8b
Titel: Aniloy
Diese Form wirkt auf mich immer anders.
Wichtig war mir, dass sie ruhig und glatt ist.

Ole Dreidax, Klasse 8b
Titel: Deutsches Kulturgut
Diese Form wirkt fรผr mich wie ein โ€žsโ€œ.

Paul Schulz, Klasse 8b
Titel: Chlorophyll
Wichtig war mich, dass die Form nicht bricht.

Marie Manke, Klasse 8b
Titel:  Ohne Titel 4
Ich habe bewusst aufgehรถrt zu arbeiten, als es nicht mehr schรถner wurde und nichts mehr funktioniert hat.

Lea Auguste Vicktoria Schulz, Klasse 8c
Titel: Un cadeau pour maman.
Diese Form wirkt fรผr mich entspannt und stabil im Gleichgewicht.
Wichtig war mir, dass die Form abgerundet ist.

Projektleitung und Durchfรผhrung:
Alexa Beier, Kunstlehrerin Oberschule Falkensee Poetenweg
Stefanie Witt, Leiterin Creatives Zentrum “Haus am Anger”

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